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Niederlage für den LK Zug
Die Zuger Wirtschaft ist stark international ausgerichtet. Die globale Entwicklung beeinflusst deshalb auch die Unternehmen in der Region
Die Wirtschaft in der Zentralschweiz bleibt im Sommer 2026 stabil, kommt aber kaum voran. Auch im Kanton Zug zeigt sich ein gemischtes Bild: Grosshandel und Industrie geben Anlass zur Hoffnung, während Unsicherheiten bei Energiepreisen, Zöllen und internationalen Konflikten die Unternehmen vorsichtig bleiben lassen.
Die Zentralschweizer Wirtschaft steht im Sommer 2026 solide da – doch der grosse Schwung fehlt. Der Geschäftslageindikator hat sich gegenüber dem zweiten Quartal kaum verändert. Damit konnte die Region das gute Niveau vom Jahresbeginn halten. Gleichzeitig blicken die Unternehmen wieder etwas zuversichtlicher auf die kommenden Monate.
Das zeigt die aktuelle Quartalsanalyse der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (IHZ), die sich unter anderem auf die regelmässigen Unternehmensbefragungen der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich stützt. Noch im April waren die Unternehmen deutlich pessimistischer.
Eine positive Entwicklung gibt es dennoch: Erstmals seit 2023 liegt der Geschäftslageindikator in allen untersuchten Branchen im positiven Bereich. Die Zentralschweizer Wirtschaft steht damit auf einer breiteren Basis. Von einem kräftigen Aufschwung kann allerdings noch nicht gesprochen werden.
Für den Kanton Zug ist die Entwicklung besonders interessant. Der Wirtschaftsstandort ist stark international ausgerichtet. Industrie, Handel, Finanz- und Unternehmensdienstleistungen sowie zahlreiche international tätige Firmen prägen die Wirtschaft. Entwicklungen auf den Weltmärkten wirken sich deshalb oft direkt oder indirekt auf die Unternehmen im Kanton aus.
Den deutlichsten positiven Impuls liefert derzeit der Grosshandel. Seine Geschäftslage hat sich gegenüber dem Vorquartal spürbar verbessert. Besonders der Handel mit Produktionsgütern entwickelte sich positiv.
Die bessere Stimmung im Grosshandel ist auch für andere Branchen ein gutes Zeichen. Denn wenn mehr Waren gehandelt werden, profitieren davon nicht nur die Händler. Auch Produzenten, Logistikunternehmen und verschiedene Dienstleister können eine höhere Nachfrage spüren.
In der Industrie hat sich die Geschäftslage gegenüber April zwar leicht verschlechtert. Nach einem Rückgang im Juni liegt sie inzwischen aber wieder im positiven Bereich. Zudem melden die Unternehmen einen leichten Anstieg bei den Aufträgen und bei der Auslastung.
Die Ertragslage bleibt allerdings unter Druck. Deshalb zeigen sich die Unternehmen bei der Personalplanung vorsichtig. Gleichzeitig rechnen sie damit, höhere Kosten teilweise über höhere Preise an ihre Kundschaft weitergeben zu können.
Im Baugewerbe und im Projektierungssektor ist die Lage weiterhin vergleichsweise gut. Im Quartalsvergleich hat sie sich allerdings etwas eingetrübt.
Im Detailhandel ist die Stimmung im Juli deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig melden Unternehmen aus fast allen Bereichen eine höhere Kundenfrequenz. Mehr Kundinnen und Kunden bedeuten damit nicht automatisch höhere Gewinne. Trotz der momentan vorsichtigeren Einschätzung sind die Aussichten positiv. Eine deutliche Mehrheit der Detailhändler erwartet für die zweite Jahreshälfte eine Verbesserung der Geschäftslage.
Weniger erfreulich ist die Situation im Gastgewerbe. Die Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage deutlich pessimistischer als noch im April. Betroffen sind sowohl Gastronomie als auch Beherbergung. Der entsprechende Wert erreicht den tiefsten Stand seit 2024.
Im Juni 2026 verzeichneten die Zentralschweizer Hotels fast fünf Prozent weniger Logiernächte als im Vorjahresmonat. Besonders Gäste aus Asien und dem benachbarten Ausland blieben häufiger aus. Gleichzeitig sorgten Reisende aus den USA für zusätzliche Übernachtungen.
Auch bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern hat sich die Geschäftslage verschlechtert. Der Rückgang fällt in der Zentralschweiz stärker aus als im Schweizer Durchschnitt. Bei der Personalplanung zeigen sich die Unternehmen entsprechend zurückhaltend.
Für den Kanton Zug ist diese Entwicklung von Bedeutung. Finanzdienstleistungen gehören zu den wichtigen Wirtschaftszweigen des Kantons. Zug ist zudem stark von international tätigen Unternehmen und wirtschaftlichen Dienstleistungen geprägt.
Warum kommt die Wirtschaft trotz der grundsätzlich positiven Signale nicht stärker voran? Ein wesentlicher Grund ist die Unsicherheit.
Unternehmen brauchen möglichst verlässliche Rahmenbedingungen, wenn sie investieren, Personal einstellen oder neue Produkte entwickeln wollen. Genau diese Planungssicherheit fehlt derzeit vielerorts.
Ein Unsicherheitsfaktor ist der Konflikt zwischen den USA und Iran und die Frage, welche Folgen er für die Energiepreise hat. Steigende Preise für Öl und Gas können die Kosten der Unternehmen erhöhen und gleichzeitig die Nachfrage weltweit bremsen. Die Schweiz ist dabei vergleichsweise gut aufgestellt. Sie benötigt im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung wenig Energie, und viele Unternehmen arbeiten energieeffizient. Die grössere Gefahr liegt deshalb in den indirekten Folgen: Wenn die Weltwirtschaft schwächer wächst, kann dies auch die Nachfrage nach Schweizer Produkten und Dienstleistungen bremsen.
Hinzu kommen die internationalen Handelskonflikte. Die US-Zollpolitik und protektionistische Tendenzen in anderen Regionen, etwa in der Europäischen Union, erschweren die Planung. Verändern sich Zölle und Handelsregeln, können sich Kosten und Absatzchancen schnell verschieben. Unternehmen reagieren darauf häufig mit Vorsicht – etwa bei Investitionen oder bei der Schaffung neuer Stellen.
Trotz Unsicherheiten ist die Stimmung nicht grundsätzlich pessimistisch. Im Gegenteil: Eine Mehrheit der Unternehmen in sämtlichen Zentralschweizer Branchen erwartet für das zweite Halbjahr eine positive Entwicklung. Die Aussichten haben sich gegenüber dem vergangenen Quartal aufgehellt.
Auch schweizweit gibt es positive Signale. Gleichzeitig bleibt die Erholung fragil. Die KOF rechnet für 2026 weiterhin mit einem eher verhaltenen Wirtschaftswachstum. Die Folgen der internationalen Konflikte und der höheren Energiepreise könnten die Erholung jederzeit bremsen.
Für den Kanton Zug ergibt sich damit ein differenziertes Bild. Der Standort verfügt über eine starke und breit aufgestellte Wirtschaft. Die internationale Ausrichtung ist dabei Chance und Risiko zugleich.
Die aktuelle Quartalsanalyse liefert deshalb weder Grund für Euphorie noch für Pessimismus.
Uwe Guntern
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