Jubiläum
Zug feiert 600 Jahre Wallfahrt nach Einsiedeln
Mit dem Gewinn der Europacup-Gesamtwertung hat sich Lenz Hächler den Fixstartplatz im Weltcup gesichert. Nach einer Saison mit neun Podestplätzen darunter vier Siegen spricht der 22-jährige Zuger über seinen Durchbruch, schwierige Phasen und seine Ambitionen auf höchstem Niveau.
Lenz Hächler gehört zu den vielversprechendsten Nachwuchsfahrern im Schweizer Skisport. Der 22-Jährige aus Oberwil hat sich in der Saison 2025/26 mit starken Leistungen im Europacup endgültig in den Fokus gefahren: Gesamtsieger, Gewinner der Super-G-Wertung und insgesamt neun Podestplätze. Damit sicherte sich der Allrounder nicht nur den grössten Erfolg seiner bisherigen Karriere, sondern auch einen Fixstartplatz im Weltcup. Nach Erfolgen bei Junioren-Weltmeisterschaften und ersten Weltcup Punkten steht Lenz Hächler nun vor dem nächsten grossen Schritt. Im Interview spricht er über seinen Weg, mentale Herausforderungen und seine Ziele an der Weltspitze.
Herzliche Gratulation zum Gewinn der Europacup-Gesamtwertung! Wie haben Sie diesen Erfolg persönlich erlebt, und was bedeutet er für Sie?
Vielen Dank, es war wirklich schön, den Gesamtsieg im Europacup zu feiern – vor allem, weil ich im letzten Jahr so knapp daran vorbeigeschrammt bin. Umso mehr bedeutet mir dieser Erfolg. Zudem ist es grossartig, dass ich mir damit für die nächste Saison einen Fixplatz im Weltcup sichern konnte. Darauf freue ich mich sehr.
Die Saison 2025/26 war aussergewöhnlich: neun Podestplätze, davon vier Siege. Welches Rennen hat Ihnen am meisten Freude bereitet und warum?
Am meisten Freude hat mir der Sieg im Riesenslalom in Norwegen (Norefjell) bereitet. Gerade im Riesenslalom hatte ich in dieser Saison lange zu kämpfen und kam nicht richtig auf Touren. Teilweise war ich etwas ratlos. Nach verletzungsbedingtem Trainingsrückstand und einem Wechsel des Skischuhmodells konnte ich aber wieder zu meiner alten Stärke zurückfinden und meine Schwünge zeigen.
Mit dem Gesamtsieg haben Sie in allen Disziplinen einen Weltcup-Fixplatz. Welche Ziele und Erwartungen haben Sie für die kommende Saison auf höchstem Niveau?
Ich habe inzwischen gemerkt wie schwierig es ist, konkrete Ziele für die ganze Saison festzulegen, da sich vieles schnell in die eine oder andere Richtung entwickeln kann. Wichtig ist für mich vor allem eine gute Vorbereitung im Sommer und Herbst, damit ich optimal in die Saison starten kann. Ich habe zudem das Gefühl, materialtechnisch auf dem richtigen Weg zu sein und blicke den nächsten Weltcup-Rennen zuversichtlich entgegen.
Sie haben sowohl in der Super-G-Wertung als auch in der Gesamtwertung brilliert. Fokussieren Sie sich auf bestimmte Disziplinen, oder ist es Ihr Ziel, ein vielseitiger Allrounder zu bleiben?
Mein Ziel ist es klar, ein Allrounder zu bleiben. Ich schätze die Abwechslung zwischen den Disziplinen sehr: In den Speedrennen ist es das Adrenalin, das durch den Körper schiesst, während im Riesenslalom die technische Herausforderung im Vordergrund steht. Der Fokus liegt aber sicher auf dem Riesenslalom, wo ich auch im Weltcup Fuss fassen möchte.
Welche Trainingsmethoden, Routinen oder mentalen Strategien helfen Ihnen, in jedem Rennen auf so hohem Niveau zu performen?
Es sind viele Faktoren, die für einen erfolgreichen Renntag zusammenspielen. Sehr wichtig für mich ist unteranderem auch der regelmässige Austausch mit meinem Mentaltrainer. Dazu kommen Selbstvertrauen sowie die Erfahrungen aus Höhen und Tiefen, aus denen ich lernen konnte. Entscheidend ist, auch nach schwierigen Phasen wieder seine best mögliche Leistung abrufen zu können.
Die Konkurrenz ist stark – bei den Männern belegten gleich vier Schweizer die Top 5 der Gesamtwertung. Wie gehen Sie mit diesem Konkurrenzdruck um, und was motiviert Sie, sich ständig zu verbessern?
Die Konkurrenz im Schweizer Team ist derzeit enorm, besonders in den Speeddisziplinen, wo die Startplätze sehr begehrt sind. Trotzdem versuche ich, in jedem Rennen meine Leistung abzurufen. Im Umgang mit dem Druck hilft mir die Arbeit mit meinem Mentaltrainer. Gleichzeitig motiviert mich das Ziel, mich weiterzuentwickeln und mein Skifahren eines Tages an der Weltspitze zeigen und etablieren zu können.
Rückschläge gehören zum Leistungssport. Gab es Momente, in denen es schwierig wurde, und wie haben Sie diese Herausforderungen gemeistert?
In meiner bisherigen Karriere hatte ich bereits einige Verletzungen, die mich jedoch meist nicht länger als ein paar Monate zurückgeworfen haben. In diesem Winter erlebte ich eine besonders schwierige Phase: Der Druck nahm zu – sowohl von mir selbst als auch durch die mediale Aufmerksamkeit. Einerseits wurde ich stark gelobt, andererseits wollte ich meine Leistungen bestätigen. Das erzeugte einen Druck, den ich so noch nicht kannte. Entscheidend war, aktiv nach Lösungen zu suchen – sei es im mentalen Bereich oder beim Material, das ich gemeinsam mit meinem Servicemann optimiert habe. So konnte ich die Herausforderungen letztlich meistern und gestärkt daraus hervorgehen.
Abseits der Pisten – wie erholen Sie sich mental und körperlich, um für die nächsten Rennen fit zu bleiben?
Während der Saison ist es wichtig, gezielt zu regenerieren. Nach dem Training hilft mir beispielsweise ein kurzer Powernap. Auch Atemübungen unterstützen mich dabei, mein Nervensystem herunterzufahren und zur Ruhe zu kommen. Da ich im Winter selten zu Hause bin, geniesse ich es umso mehr, Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. So kann ich abschalten und den Kopf frei bekommen. Im Frühling steht dann die Erholung im Vordergrund – vielleicht gelingt mir ja noch der eine oder andere Neuschneetag in den Bergen. Zudem plane ich Ferien am Meer, wo ich gerne auch einmal surfen gehe.
Nachwuchstalente im Skisport stehen oft im Rampenlicht. Wie gehen Sie mit der Aufmerksamkeit um, die Ihre Erfolge mit sich bringen?
Es gibt zwei Seiten: Einerseits finde ich es sehr positiv, dass der Skisport in der Schweiz eine grosse Plattform hat und auf so viel Interesse stösst. Andererseits führt diese Aufmerksamkeit auch zu steigenden Erwartungen – sowohl von aussen als auch an mich selbst. Damit umzugehen, ist eine Herausforderung, aber auch ein Teil des Leistungssports.
Blick in die Zukunft: Was sind Ihre langfristigen Ziele im Weltcup? Gibt es einen Traum, den Sie unbedingt erreichen möchten?
Mein grosser Traum ist es, den Weg an die Weltspitze zu finden, mich dort zu etablieren und irgendwann auch um die Gesamtwertung im Weltcup mitzufahren.
Michael Schwegler
Lade Fotos..