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Vom Heck des Motorschiffszug wird nach der Pirouette ein Blick auf das Schloss St. Andreas möglich.
Grünlich schimmerndes Wasser, Berge am Horizont,leises Tuckern unter Deck eine Fahrt mit dem Motorschiff Zug über den Zugersee ist nicht nur eine Reise von A nach B, sondern eine kleine Auszeit. Eine Momentaufnahme zwischen Alltagshektik und Naturidylle.
Die Reise beginnt am Bahnhofsteg in Zug. Das Motorschiff Zug liegt ruhig im Wasser, bereit zur Abfahrt. Das Wetter meint es gut: Sonnenschein, wenig Wind, angenehme Temperaturen. Das Publikum an Bord ist durchmischt – Familien mit Kindern, Touristinnen und Touristen mit Kameras, ältere Paare, alleinreisende Geniesser. Viele haben sich auf dem Oberdeck einen Platz gesichert, der Blick auf Stadt und See ist von dort aus einmalig. Pünktlich ertönt das dreimalige Signalhorn. Langsam setzt sich das Schiff in Bewegung, rückwärts vom Steg weg, bevor es in einer eleganten Drehung Kurs Richtung Cham nimmt. Eine freundliche Stimme aus dem Lautsprecher heisst die Passagierinnen und Passagiere willkommen und kündigt die bevorstehenden Haltestellen an. Parallel beginnt unter Deck der Service: Das Gastro-Team bereitet Kaffee, Mineralwasser und erste Snacks vor. Die Nachfrage ist gross – nicht zuletzt, weil sich an diesem Tag auch einige Jubilare unter den Gästen befinden. Der Blick schweift über das smaragdgrüne Wasser. Wer aufmerksam zuhört, erfährt von der Durchsage auch interessante Details zur Landschaft. Der See ist nicht nur schön anzusehen, er erzählt auch Geschichte. Und er prägt – sichtbar – die Identität der umliegenden Gemeinden.
Langsam entfernt sich das Schiff von Zug. Die Stadtkulisse wird kleiner, der Blick weitet sich. Links und rechts begleiten sanfte Hügel die Fahrt, dahinter reihen sich die Zentralschweizer Voralpen auf – der Pilatus, die Rigi, am Horizont vielleicht sogar ein Zipfel Titlis. Der Zugersee zeigt sich von seiner ruhigen Seite. Nur das gelegentliche Aufblitzen kleiner Wellen und das leise Brummen des Motors erinnern daran, dass wir unterwegs sind. Kurz vor Cham lenkt die Stimme aus dem Lautsprecher den Blick auf die Besonderheit des Sees: seinen einzigen Abfluss. Die Lorze verlässt den Zugersee in Cham und fliesst später in die Reuss. Ein Detail, das vielen an Bord neu sein dürfte. Die Fahrt ist also nicht nur entspannend, sondern auch lehrreich.
In Cham erwartet uns ein kurzer Halt. Die Anlegestelle liegt ruhig da, das Ufer lebt. Menschen sitzen auf den Bänken, ein kleines Bistro lädt zum Verweilen ein. Gleich daneben liegt der Park Villette – ein Stück Natur mit gepflegten Wegen, Bäumen und direktem Zugang zum See. Bäume und Wasser scheinen um die Gunst des schönsten Grüns zu wetteifern. Der Aufenthalt ist kurz. Der Kapitän manövriert das Motorschiff Zug routiniert an den Steg, das dreifache Hupen kündigt erneut das Ablegen an. Rückwärts verlässt das Schiff Cham – nicht ohne vorher eine elegante Pirouette im Wasser zu drehen. Die Ansage erklärt das Schloss St. Andreas, das am Ufer sichtbar ist. Heute gehört eseiner Stiftung und ist umgeben von einer weitläufigen Parkanlage. Ein wenig Historie ist immer mit dabei, wenn man am Zugersee unterwegs ist.
Nach dem Ablegen nimmt das Schiff erneut gemächlich Fahrt auf. Ziel: Buonas. Das Ufer zieht gemächlich vorbei. Wer genau hinschaut, entdeckt Reiher, Kormorane und mit etwas Glück auch springende Fische. Kleine Entenfamilien kreuzen den Weg. Es ist ein leiser Moment der Entschleunigung. Gespräche verstummen, viele blicken einfach aufs Wasser hinaus. Langsam gleitet das Schiff in die Bucht von Buonas. Wieder meldet sich die Bordstimme zu Wort. Buonas – eine zusammengesetzte Bezeichnung aus «Buche» und «Nase». Auf dieser kleinen Landzunge steht das Schloss Buonas, eingebettet in eine Parklandschaft, die sich besonders vom Wasser aus in ihrer ganzen Pracht zeigt. Der Anlegevorgang verläuft ruhig. Die Schiffsmannschaft arbeitet effizient, das Publikum bleibt entspannt.
Wer hier aussteigt, erlebt einen weiteren Seitenwechsel der Zugerseelandschaft. Der Schiffsanleger liegt in unmittelbarer Nähe zum Schloss, das nur wenige Schritte entfernt auf der Halbinsel liegt. Ein perfekter Ausgangspunkt für Spaziergänge dem Ufer entlang oder einen Moment der Stille unter schattenspendenden Bäumen. Die Bordgäste, die an Land bleiben, beobachten interessiert das An- und Ablegen. Auch hier wird wieder gehupt – das akustische Signal, das mittlerweile vertraut ist. Während das Motorschiff Zug langsam weiterzieht, schweifen die Blicke ihm nach. Es wird kleiner, zieht hinaus Richtung Immensee, begleitet vom leichten Glitzern des Wassers.
Die kurze Fahrt von Zug nach
Buonas dauerte weniger als eine Stunde – und doch fühlt es sich an, als sei man weit weg gewesen.
Die Zugersee-Schifffahrt ist mehr als ein Transportmittel, sie ist Erholung, Bildung und Perspektivenwechsel zugleich. Zwischen Tischnachbarn, Ausblicken und Durchsagen entsteht eine kleine Auszeit, die gut tut. Auch wenn man nicht bis ans andere Ende des Sees fährt, bleibt etwas hängen: die Leichtigkeit des Wassers, das Zusammenspiel von Natur und Technik, die wohltuende Langsamkeit eines Schiffes auf Kurs. Und die Ahnung, dass man jederzeit wieder einsteigen könnte – für die nächste kleine Flucht aus dem Alltag.
Michael Schwegler
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